Wie wählt man den Profilwerkstoff aus?
Vier Fragen führen fast immer zum richtigen Kandidaten:
- Hart oder weich? Tragen und Führen verlangt harte Werkstoffe (PVC-U, PP, ABS, PA). Dichten und Dämpfen verlangt weiche (PVC-P, TPU, TPV, TPS, EVA, LD-PE).
- Welche Temperaturen, wie lange? Dauerwärme über 60 °C schließt Standard-PVC aus; PP, TPV oder TPU übernehmen. Kälteflexibilität spricht für EVA oder TPE.
- Welche Medien und welches Wetter? Öle, Reiniger, UV-Strahlung: Jede Umgebung streicht Kandidaten von der Liste oder verlangt Stabilisierung.
- Was muss die Oberfläche können? Sichtqualität (ABS), Gleiten (HD-PE, PA, Gleitbeschichtung) oder Grip (TPS, EVA).
Beantworten Sie zwei dieser Fragen, ist die Auswahl meist auf zwei bis drei Werkstoffe geschrumpft. Den Rest klärt die Beratung, bei Bedarf mit Muster und Bemusterung.
Die Werkstoff-Matrix: 11 Materialien im Überblick
Alle elf Werkstoffe des belegten Heller-Verarbeitungsprogramms mit Charakter, typischer Härte, grobem Dauereinsatz-Temperaturbereich und typischen Profilanwendungen:
| Werkstoff | Charakter | Härte (typisch) | Temperatur (Dauereinsatz, ca.) | Typische Profilanwendungen |
|---|---|---|---|---|
| PVC-U | hart, steif, schwer entflammbar, wirtschaftlich | hart | -15 bis +60 °C | Fenster-, Bau-, Klemm- und Abdeckprofile, Kabelkanäle |
| PVC-P | flexibel, in weiten Grenzen einstellbar | 25–90 Shore A | bis +60 °C | Dichtlippen, Kantenschutz, Keder, Weichkomponente in der Co-Extrusion |
| PP | leicht, steif, chemikalienbeständig, biegewechselfest | hart | 0 bis +100 °C | technische Profile, Filmscharniere, Gerätebau |
| ABS | schlagzäh, steif, beste Sichtoberflächen | hart | -40 bis +85 °C | Möbel-, Gehäuse- und Sichtprofile |
| HD-PE | zäh, gleitfreudig, chemikalienbeständig | hart, zäh | -40 bis +80 °C | Gleitleisten, Führungen, Verschleißprofile |
| LD-PE | weichflexibel, zäh | weich, biegsam | -40 bis +60 °C | flexible Schutz- und Kantenprofile |
| PA | fest, abriebfest, gleitgünstig | hart | -40 bis +85 °C | Gleit- und Führungsprofile, Verschleißleisten |
| TPU | elastisch, extrem abriebfest | 60 Shore A bis 80 Shore D | -40 bis +120 °C | Abstreifer, Dämpfungsprofile, Schläuche |
| TPV | gummiähnlich, dauerelastisch, witterungsfest | 40 Shore A bis 70 Shore D | -60 bis +135 °C | Fenster-, Tür- und Gerätedichtungen |
| TPS | sehr weich bis mittelhart, Softtouch | 30 Shore 00 bis 60 Shore D | bis +80 °C | Dichtlippen, Griffzonen, Co-Extrusion auf ABS |
| EVA | hochflexibel, kälteschlagzäh, dämpfend | weich | kälteflexibel, typabhängig | dämpfende und rutschhemmende Profile |
Orientierungswerte aus Werkstoff-Fachquellen (Quellendokumentation: research/FACHWISSEN-EXTRUSION.md); Temperatur- und Härteangaben variieren je Type und Rezeptur. Verbindlich ist die anwendungsbezogene Auslegung im Projekt.
Was sagt die Shore-Härte aus?
Die Shore-Härte misst, wie tief ein genormter Prüfkörper in den Werkstoff eindringt: je höher der Wert, desto härter das Material. Für Profile relevant sind zwei Skalen. Shore A beschreibt weiche bis mittelharte Elastomere; Dichtlippen liegen häufig zwischen etwa 40 und 90 Shore A. Shore D beschreibt harte Elastomere und Thermoplaste. Als Anker: Ein Weichgummiband liegt grob bei 40 Shore A, ein Schuhabsatz um 70 Shore A, ein Hartschalenkoffer im Shore-D-Bereich.
Im Hart-Weich-Verbund kombinieren wir beide Welten: Träger im harten Bereich, Dichtlippe weich nach Funktionsanforderung. Welche Härte Ihre Anwendung braucht, klären wir am liebsten am Muster.
Welche Sonderausrüstungen gibt es?
Unabhängig vom Grundwerkstoff verarbeitet Heller Sondermaterialien mit fünf belegten Ausrüstungen: UV-geschützt für sonnenexponierte Anwendungen, fungizid ausgerüstet gegen Schimmelbewuchs in Feuchträumen, mit Gleitbeschichtung für bewegte Kontaktflächen, UL 94 V-0 gelistet für Brandschutzanforderungen der Elektroindustrie und antistatisch ausgerüstet für ESD-sensible Umgebungen. Details auf der Fertigungsseite.